Was ist Wardley Mapping?
Wardley Mapping ist eine strategische Analysemethode, die Simon Wardley in den 2000er Jahren entwickelt hat. Eine Wardley Map visualisiert die Wertschöpfungskette einer Organisation als zweidimensionale Karte: Was braucht der Nutzer, und wie reif sind die Komponenten, die diesen Bedarf erfüllen?
Das Ergebnis ist eine strategische Landkarte, die zeigt, wo eine Organisation heute steht, wohin sich Technologien und Praktiken entwickeln — und welche Investitionen, Partnerschaften oder Eigenbau-Entscheidungen sich daraus ableiten.
Die zwei Achsen
- Y-Achse — Sichtbarkeit: Oben stehen Komponenten, die der Nutzer direkt sieht (Kundenbedarf). Unten stehen unsichtbare Infrastruktur-Elemente.
- X-Achse — Evolution: Von links (Genesis = einmalig, neu) über Custom und Product bis rechts (Commodity = Standard, austauschbar wie Strom).
- Pfeile zeigen Abhängigkeiten: Komponente A hängt von Komponente B ab.
Benutzeroberfläche
Header
- ◆ Wardley Map Builder — Titel und Branding
- Map-Selektor (Dropdown) — wechselt zwischen gespeicherten Maps
- + Neue Map — öffnet den Dialog zur Map-Erstellung
- 📋 Maps — öffnet die Map-Verwaltung (alle Maps, umbenennen, löschen)
- ↓ Export — öffnet Export-Dialog (JSON / SVG / PNG)
- ↑ Import — lädt eine JSON-Datei als neue Map
- ⬅ — zurück zur Startseite
- ? — öffnet dieses Handbuch in einem neuen Fenster
Toolbar
Die Toolbar enthält die vier Interaktionsmodi (Details in Abschnitt 4) und den Typ-Selektor für neue Komponenten. Der aktive Modus ist gold hinterlegt.
Canvas (Kartenbereich)
Der SVG-Canvas füllt den verbleibenden Bereich. Er zeigt die vier Evolutionsspalten, Achsenbeschriftungen und alle Komponenten mit ihren Verbindungen. Das Canvas ist vollständig responsiv und skaliert mit dem Browserfenster.
Komponenten-Popup
Beim Auswählen einer Komponente öffnet sich ein Popup in der Nähe der Komponente. Es enthält Namensfeld, Typ-Selektor, Inertia/Evolve-Schalter und die Löschen-Schaltfläche. Das Popup schließt mit Esc oder durch Klick auf den Canvas-Hintergrund.
Strategische Notizleiste
Unterhalb des Canvas befindet sich eine ausklappbare Notizleiste für die strategische Kernaussage der Map.
- Geschlossen: 28px-Leiste mit
📝 Strategische Notizen. Sobald Inhalt vorhanden ist, erscheint der erste Satz als goldene Vorschau — auch ohne Aufklappen sichtbar. - Geöffnet: Textarea mit automatischer Speicherung bei jeder Eingabe und Zeichenzähler.
- Beim Import: Enthält die importierte JSON-Datei ein
notes-Feld, wird dessen Inhalt sofort in die Leiste geladen. - Im Export: Das
notes-Feld wird in alle drei Exportformate (JSON, SVG, PNG) übernommen.
Komponenten-Typen
Jede Komponente gehört einem von fünf Typen an. Der Typ wird über das Komponenten-Popup oder den Typ-Selektor in der Toolbar gesetzt.
| Typ | Darstellung | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| User Need | Goldener Kreis (groß) | Kundenbedürfnisse, Nutzeranforderungen — steht immer oben in der Wertschöpfungskette |
| Capability | Weißer Kreis | Interne Fähigkeiten, Prozesse, Teams — das eigentliche Kerngeschäft |
| Practice | Türkiser Kreis | Methoden, Vorgehensweisen, Arbeitsweisen (z. B. Agile, DevOps, OEE-Monitoring) |
| Data | Grüner Kreis | Datenquellen, Datenassets, Informationsflüsse (z. B. Maschinendaten, ERP-Daten) |
| External | Grauer gestrichelter Kreis | Externe Dienste, SaaS, Plattformen, Infrastruktur-Utilities (z. B. Cloud, ERP-System) |
Interaktionsmodi
Die vier Modi werden über die Toolbar-Schaltflächen oder Tastaturkürzel gewechselt. Der aktive Modus bestimmt, was ein Klick auf den Canvas oder eine Komponente bewirkt.
Auswählen & Verschieben
Klick auf Komponente → Popup öffnet sich. Komponente durch Ziehen verschieben. Klick auf leeren Canvas → Auswahl aufheben.
Komponente platzieren
Klick auf eine beliebige Stelle im Canvas → neue Komponente wird dort platziert. Typ richtet sich nach dem aktiven Typ-Selektor in der Toolbar.
Abhängigkeit zeichnen
Erste Komponente anklicken (türkiser Ring = Quelle). Zweite Komponente anklicken → Pfeil wird gezogen. Doppelte Verbindung wird verhindert.
Löschen
Klick auf Komponente → Komponente und alle anliegenden Verbindungen werden gelöscht. Klick auf Verbindungslinie → nur diese Verbindung wird gelöscht.
Inertia & Evolution
Diese beiden Optionen erweitern jede Komponente um strategische Zusatzinformationen. Sie werden im Komponenten-Popup über die Schalter ⊠ Inertia und → Evolve aktiviert.
⊠ Inertia
Ein gefülltes Dreieck rechts neben der Komponente signalisiert Widerstand gegen Evolution — z. B. durch hohe Migrationskosten, Abhängigkeiten oder politische Widerstände. Die Komponente ist evolutionsfähig, bewegt sich aber nicht von allein.
→ Evolve
Ein goldener gestrichelter Pfeil zeigt, wohin sich die Komponente entwickeln soll. Der runde Pfeilkopf ist ziehbar — verschiebe ihn horizontal, um das Evolutionsziel anzupassen. Nützlich, um geplante Investitionen oder strategische Richtungsentscheidungen zu visualisieren.
Map-Verwaltung
Der Builder speichert alle Maps lokal im Browser (localStorage). Es gibt keine Serververbindung — die Daten verlassen das Gerät nur beim manuellen JSON-Export.
Neue Map erstellen
Schaltfläche + Neue Map im Header klicken → Namen eingeben → Enter oder „Erstellen". Die neue Map ist sofort aktiv.
Zwischen Maps wechseln
Das Dropdown im Header listet alle gespeicherten Maps. Auswahl wechselt sofort zur entsprechenden Map. Der letzte Stand wird automatisch gespeichert.
Map umbenennen oder löschen
Schaltfläche 📋 Maps klicken → Map-Liste öffnet sich. ✏️ umbenennen, 🗑 löscht (mit Bestätigung). Die letzte Map kann nicht gelöscht werden.
Canvas leeren
Schaltfläche 🗑 Leeren in der Toolbar entfernt alle Komponenten und Verbindungen der aktiven Map nach Bestätigung. Die Map selbst bleibt bestehen.
Export & Import
Schaltfläche ↓ Export öffnet den Export-Dialog mit drei Optionen:
| Format | Inhalt | Verwendung |
|---|---|---|
| JSON | Vollständige Map-Daten (Komponenten, Links, Name) | Sicherung, Weitergabe, Re-Import in den Builder |
| SVG | Vektorgrafik des aktuellen Canvas-Zustands | Einbettung in Präsentationen, skalierbar ohne Qualitätsverlust |
| PNG | Rasterbild in 2× Auflösung (2000 × 1360 px) | Direkte Verwendung in Word, PowerPoint, E-Mails |
JSON importieren
Schaltfläche ↑ Import im Header → Datei auswählen. Die importierte Map wird als neue Map angelegt (neue ID) und sofort aktiviert. Bestehende Maps werden nicht überschrieben.
Struktur einer JSON-Datei
| Feld | Typ | Beschreibung |
|---|---|---|
name | string | Anzeigename der Map |
notes | string | Strategische Kernaussage / Notizen — wird in die Notizleiste geladen (optional, kann leer sein) |
components | array | Liste aller Komponenten (siehe unten) |
links | array | Liste aller Verbindungen (from → to) |
| Felder pro Komponente | ||
id | string | Eindeutiger Bezeichner (beliebig, z. B. "c01") |
name | string | Anzeigename auf der Karte |
x | 0.0 – 1.0 | Position auf der Evolutionsachse (0 = Genesis, 1 = Commodity) |
y | 0.0 – 1.0 | Sichtbarkeit (0 = unsichtbar/unten, 1 = sichtbar/oben) |
type | string | user · capability · practice · data · external |
inertia | boolean | Inertia-Dreieck anzeigen |
evolve | boolean | Evolutions-Pfeil anzeigen |
evolveX | 0.0 – 1.0 | Zielposition des Evolutions-Pfeils auf der X-Achse |
notes-Feld:
wardley_example.json— Digitale Transformation Fertigung & IIoT (20 Komponenten, alle Typen)teashop_wardley.json— Tea Shop, klassisches Lehrbeispiel (8 Komponenten)onlinephoto_wardley.json— Online Photo Sharing mit Cloud-Evolution (8 Komponenten)
Tastaturkürzel
| S | Modus: Auswählen & Verschieben |
| A | Modus: Komponente hinzufügen |
| L | Modus: Abhängigkeit zeichnen (Link) |
| D | Modus: Löschen |
| Esc | Auswahl aufheben · Popup schließen · Link-Modus zurücksetzen |
| N | Strategische Notizleiste auf-/zuklappen |
| Del / Backspace | Ausgewählte Komponente löschen (wenn Popup aktiv und kein Textfeld fokussiert) |
| Enter | Popup schließen (wenn Namensfeld fokussiert) |
Wardley Map — Grundprinzipien
Evolutionsstufen verstehen
| Stufe | Merkmale | Typische Entscheidung |
|---|---|---|
| Genesis | Neu, einmalig, experimentell, kaum verstanden | Selbst erforschen, Startup-Mindset, hohe Unsicherheit einplanen |
| Custom | Wachsendes Verständnis, individuelle Lösungen, teuer | Selbst bauen oder auf Spezialanbieter setzen |
| Product | Markt mit mehreren Anbietern, Produktvergleiche möglich | Kaufen — Make-or-Buy-Entscheidung auf Basis von Kosten/Differenzierung |
| Commodity | Standardisiert, günstig, austauschbar, wie Strom | Auslagern — kein Wettbewerbsvorteil durch Eigenentwicklung |
Strategische Muster
- Differenzierung links, Standardisierung rechts: Wettbewerbsvorteile entstehen in der Genesis/Custom-Zone. Commodity-Komponenten sollten nicht selbst gebaut werden.
- Inertia als Risiko: Komponenten mit Inertia-Markierung blockieren oft die Evolution der darüber liegenden Komponenten. Sie sollten explizit addressiert werden.
- Abhängigkeiten zeigen strategische Hebel: Eine Komponente mit vielen eingehenden Pfeilen ist ein kritischer Engpass — fällt sie aus, fallen alle abhängigen Komponenten.
- Bewegung antizipieren: Evolution-Pfeile helfen, zu planen, bevor der Markt sich bewegt. Frühzeitige Positionierung auf Product/Commodity spart Kosten.
Häufige Fehler
- Zu viele Komponenten auf einmal — besser mit dem Nutzerbedarf beginnen und die Map von oben nach unten aufbauen.
- Zu abstrakte Komponentennamen — gute Namen sind konkret und eindeutig (nicht „IT-Infrastruktur", sondern „Azure Kubernetes Service").
- Positionen geschätzt statt analysiert — die X-Position sollte auf Marktbeobachtung beruhen, nicht auf Gefühl.